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Mein Schutzengel

Mein Schutzengel

Meine Oma hat mir früher oft davon erzählt, dass jeder Mensch seinen persönlichen Schutzengel hat. „Er wacht über Dich und passt auf Dich auf,“ sagte sie und streichelte mir dabei über den Kopf. Ich glaubte nicht daran, lauschte aber interessiert den Geschichten, wo die Engel aktiv waren. Mein Opa hat z. B. mit einer schweren Kopfverletzung den Krieg und die Gefangenschaft überlebt. Sein Schutzengel hatte ein Wunder vollbracht!

Ich war ein Junge vom Dorf und kam beim Spielen im Wald oft in brenzlige Situationen. Außer ein paar Kratzern an den Beinen und Platzwunden am Kopf ist nicht viel passiert. Ich hatte einfach Glück oder hatte mein Schutzengel mich beschützt?

Foto: Mein Schutzengel – von胖 auf Unsplash

der erste Großauftrag

Den ersten Großauftrag hatte mein Engel im Jahre 1987. Ich war Anfang Oktober mit dem Motorrad von Stralsund auf dem Weg zu meiner jungen Familie in Bad Sülze. Es war bereits dunkel und am Abend war auf der Straße zwischen Richtenberg und Tribsees niemand mehr unterwegs. Also gab ich Gas, war spät aus der Offiziershochschule weggekommen, und wollte etwas Zeit aufholen, denn ich hatte nur eine Nacht Landgang.

Die Straße war schnurgerade und ich befand mich zwischen den Orten auf freiem Feld, als ich einen Schlag spürte und mit dem Kopf zuerst über den Lenker flog. Das Motorrad überschlug sich und landete nur wenige Zentimeter neben mir und rutschte, funkensprühend mit mir zusammen, über den Asphalt in Richtung Straßengraben. Es ging alles so schnell und ein paar Sekunden später lag ich auf dem Rücken im Graben und sah die Sterne über mir. Es herrschte totenstille, kein Geräusch war zu hören. Völlige Dunkelheit umgab mich. Mir wurde eiskalt. Ich konnte mich nicht bewegen, keine Hände, keine Beine, einfach nichts. Schmerzen hatte ich nicht. Ich konnte nur noch denken.

Mein erster Gedanke war:

„Das war es jetzt mit Dir!“

Ein Nebelhauch zog über mich und mir wurde warm. Die Panik legte sich und ich atmete ruhig ein und aus. Ich konnte mich immer noch nicht bewegen, auch den Kopf nicht drehen. Und so sah ich weiter in den Sternenhimmel, bis ich ein Autogeräusch in der Ferne hörte. Wo kam der denn jetzt her? Aber ich lag im Graben, niemand konnte mich sehen! Ich richtete mich auf eine lange Nacht ein, in der Hoffnung am Morgen bei Tageslicht gefunden zu werden.

Das Auto kam näher, verlangsamte seine Fahrt und hielt tatsächlich an. Die Tür klappte zu und wenig später beugte sich ein Mann über mich und sagte panisch: „Was soll ich jetzt nur machen?“ Das wiederholte er insgesamt fünfmal! Ich konnte ihm nicht antworten und hoffte, ihm fällt noch etwas rechtzeitig ein. Er stand nur da und schaute mich an. Vielleicht sah ich komisch aus in meiner Montur mit Integralhelm auf dem Kopf?

Die Rettung kam in Form eines Krankenwagens, der zufällig auf dem Weg von einem Einsatz zurück zum Krankenhaus nach Stralsund wollte. Da mein Ersthelfer die Straße mit seinem Auto blockierte, hielt der Rettungswagen an. Ich spürte seine Erleichterung körperlich, als er Hilfe bekam. Ich stand zwar immer noch unter Schock und konnte mich nicht bewegen, aber ich hatte wieder Hoffnung. Mit Verdacht auf Halswirbelbruch wurde ich mit Blaulicht ins Krankenhaus nach Stralsund gebracht. Ich hatte keinen Bruch! Nur schwere Prellungen am ganzen Körper, selbst meine Zähne waren locker. Nach zwei Tagen konnte ich auch wieder meine Füße spüren und unter starken Schmerzen bewegen. Nach 2 Wochen durfte ich das erste Mal aufstehen und habe zu Hause angerufen. Meine Frau war erstaunt und geschockt zugleich, es hatte sie niemand über den Unfall informiert. Es gab damals noch keine Handys und E-Mail.

Foto: Hirsch – von Bryan Walker auf Unsplash

Mein Motorrad war Schrott und der Rehbock hatte den Zusammenstoß nicht überlebt. Seit diesem Unfall habe ich den wohlgemeinten Rat meiner Oma beherzigt: „Fahre nie schneller, als Dein Schutzengel fliegen kann.“ Aber galt das auch für Wildunfälle?

der zweite Auftrag

Die Antwort darauf erhielt ich letzte Woche. Unser Flieger nach Barcelona ging am frühen Morgen und so sind wir um halb zwei in der Nacht aufgebrochen. Irgendwo hinter Bochum auf der Landstraße, blinkte auf einmal ein gelbes Warnsignal in meinem Autodisplay. Eine Störung des Notbremsassistenten wurde angezeigt und ich sollte sofort Kontakt mit der Werkstatt aufnehmen.

Ich hielt an, weil das Blinken nicht aufhören wollte. Unseren Flieger sah ich schon ohne uns starten. Ich machte den Motor aus und schaltete den Warnblinker an. In diesem Moment trat ein großer Hirsch langsam auf die Fahrbahn. Blieb stehen, schaute in unsere Richtung. Seine Augen blinkten im Rhythmus der Warnblinkanlage. Fasziniert folgten wir seinem majestätischen Gang auf die andere Straßenseite, wo er stolz im Wald verschwand. Meine Frau und ich schauten uns ungläubig an. War das eine Halluzination aufgrund der Müdigkeit gewesen? Ich startete den Wagen neu und das gelbe Blinken im Display war weg. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir weiter in Richtung Flughafen, wo wir pünktlich unseren Flieger erreichten.

Februar 2020

Titelfoto: von Zoltan Tasi auf Unsplash

© 2020 Ingo M. Ebert
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