Das kleine Maiskörnchen

Das kleine Maiskörnchen

Es war einmal ein kleines Maiskörnchen, das wuchs an einem Maiskolben auf einem Feld, unweit der Stadt. Die Maispflanze befand sich auf einem Hügel. Der kleine Berg war groß genug, um von dort eine großartige Aussicht auf die kleine Stadt zu haben, die sich wie eine riesige Taube in die umliegenden Felder schmiegte.

Ein rundlicher, freundlicher Bauer hatte das Maisfeld gleich neben seinem Hof angelegt. Auf dem Bauernhof gab es noch viel mehr, wie Tiere zum Streicheln, ein Bauern Café und einen Spielplatz unter Bäumen mit viel Raum zum Toben. Die Kinder aus der Stadt kamen gern hierher, denn es war der allerbeste Abenteuerspielplatz weit und breit.

Illustration: Ziege – Andrea Schramek, Wien (andiart)

Unser kleines Maiskörnchen hatte viel Zeit in der Sonne verbracht und hatte eine gesunde gelbe Farbe bekommen. Da es sich genau an der Spitze des Maiskolbens befand, war es klein und kugelrund. Eines Tages war es soweit und der Maiskolben wurde geerntet. Keinen Tag später schenkte der Bauer genau diesen Kolben einem kleinen, blonden Mädchen mit Sommersprossen auf der süßen Stupsnase. Das kleine Mädel begann sofort den Maiskolben abzuknabbern. Das kleine Maiskörnchen wollte womöglich nicht vernascht werden und ließ sich nach unten fallen. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Zähne an der Spitze angekommen waren.

Das Maiskörnchen kullerte vergnügt den Hügel hinab. Doch es war nicht weit gekommen, als ein Hase über den Weg sprang und nach dem Maiskörnchen schnappte. Puh, das war knapp, gerade noch so zwischen den Fellpfoten hindurch geschlüpft. Das hatte eine Krähe gesehen. Sie rief: „Warte, ich will Dir helfen.“ Dabei pickte sie nach dem kleinen Maiskörnchen. „Ich brauche keine Hilfe!“ rief das Maiskörnchen, wich geschickt dem Schnabel aus, kullerte schneller den Weg hinunter und verschwand am Ende im Gras. Die Krähe flog schimpfend davon.

Illustration: Andrea Schramek, Wien (andiart)

Das war knapp und das Maiskörnchen musste sich von dem Schrecken erst einmal erholen. Doch schon raschelte es im Gras und eine kleine freche Feldmaus erschien. Die Maus sagte: „Ich bringe Dich in Sicherheit.“ Packte das kleine Maiskörnchen und huschte damit in seinen Bau am Fuße des Hügels. In den Gängen war es dunkel und das Maiskörnchen konnte nichts sehen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde es in einer Vorratshöhle der hellbraunen Feldmaus vorsichtig abgelegt. Durch ein kleines Lüftungsloch blinkte ein vereinzelter Sonnenstrahl in die kleine Höhle und das Maiskörnchen sah sich mutig um. Es war hier nicht allein. Weitere Maiskörner, ein paar grüne Erbsen, eine angeknabberte große rote Erdbeere, ein kleiner grüner Apfel und ein Stückchen Weißbrot mit Senf dran. Das kleine Maiskörnchen rollte, soweit es konnte in die hinterste Ecke, aber noch so, dass es Nahe des Sonnenstrahls lag. Es warte jeden Tag auf die Feldmaus. Doch die kam nicht mehr.

Illustration: Andrea Schramek, Wien (andiart)

Das Maiskörnchen verschlief den trüben Winter und wurde im Frühling von einem Sonnenstrahl wach gekitzelt. Die Höhle war warm und feucht und das Maiskörnchen bemerkte an sich eine Veränderung. Es war nicht mehr goldgelb und rund, sondern runzelig und braun. Aus dem Inneren heraus begann ein kleiner weicher weißer Trieb zu wachsen. Die Faserwurde dicker und kräftiger mit feinen Härchen. Dann begann sie in die Erde zu kriechen, wie ein Regenwurm. Gleichzeitig wuchs eine grüne Faserschlange in die Höhe, dem Licht entgegen. Das kleine Maiskörnchen war nun gespannt, was noch alles passieren würde und gab seine letzte Energie in den grünen Trieb mit zwei zarten Blättchen ab, die unaufhaltsam nach oben krochen.

Aus den zarten Sprossen wuchs im Laufe des Sommers eine neue Zuckermaispflanze heran. Und ratet mal, wer zum Ende des Sommers am Maiskolben ganz oben an der Spitze auf die Ernte wartete?

Titelbild: Das kleine Maiskorn von Andrea Schramek, Wien (andiart)

© 2020 Ingo M. Ebert
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Autoren wiedergegeben werden.

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