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Wie YOUTUBE mein Leben rettete

…oder eine größere Katastrophe verhinderte

Ich bin jetzt über fünfzig Jahre alt und bilde mir ein, keine riskanten oder unvernünftigen Sachen mehr zu tun. Dank Youtube-, Instagram- und Facebook-Videos weiß ich auch, Nichts ist so blöd, um nicht später als Clip im Netz für Freude zu sorgen oder vor Nachahmung abzuschrecken.

So werde ich zum Beispiel, nie mit einem Rüttler in der Hand versuchen ein Bier zu trinken oder mit einem Gasbrenner die Hecke vor dem Haus zu stutzen.

Interessanter und lebensnaher sind da schon eher Tutorials, wie man bei einem Auto-Funkschlüssel die Batterie wechselt oder wie man sich ein Spiegelei brät.

Doch nun zur eigentlichen Geschichte. Seit ein paar Jahren nutze ich für meine Urlaubsreisen Unterkünfte von privaten Anbietern über einschlägige Plattformen gebucht. Nach der Reise bewerten sich die Vermieter und Mieter gegenseitig. Mit einem positiven Feedback der Hausbesitzer steigen meine Chance, auch mal ausgefallene Unterkünfte zu ergattern oder ein Luxus-Objekt zum kleinen Preis zu bewohnen. Also hinterlasse ich die Wohnung immer wie geleckt, obwohl die Endreinigung bezahlt ist. Geht ein Teil kaputt, wird es großzügig von mir ersetzt. Dass ich eine Haftpflicht habe, vergesse ich regelmäßig, aber es waren bisher auch nie größere Sachen oder Schäden zu beklagen.

Ok, einmal hätte ich mit dem offenen Kamin fast meine gesamte Sippe erstickt. Das komplette Haus hat über die drei Etagen noch Wochen danach wie ein Holzkohlemeiler gestunken. Da wir aber den geplünderten Weinkeller des Hausbesitzers mit einem Vermögen bezahlt haben, viel die Bewertung immerhin gut aus.

Das erste Oktoberwochenende in diesem Jahr haben wir wieder für einen Städte-Kurztrip genutzt. Antwerpen war das Ziel. Die Behausung war nagelneu und lag in einer Luxus-Gegend. Das Auto parkte standesgemäß in einer riesigen Tiefgarage mit einem eigenen Aufzug direkt in die Wohnung. Ob wir zum Diamantenkauf angereist wären, wollte die junge hübsche Vermieterin gern wissen.

Auf meine Antwort, wir möchten die Stadt besuchen, das gute Bier testen und das Essen genießen, lächelte sie nur müde.

Foto: Häuserwand in Antwerpen (privat)

Die Tage sind schneller vergangen als gedacht und das Geschirr von dreimal Frühstück lag vorbildlich sortiert im Geschirrspüler. Nur noch Anstellen und wir konnten abreisen. Doch wo waren die Spültabs? Bisher hatte die Küche alles, was das Herz Begehrte ausreichend vorrätig gehabt. Ich konnte nichts finden. Da hatte ich die Superidee. Ich nahm einfach das Spülmittel als Ersatz! Da ausreichend davon vorhanden war, versah ich jeden Teller mit einem großen grünen Spritzer.

Das Programm wurde auf zwei Stunden eingestellt, damit das Geschirr auch hinterher richtig glänzte.

Während ich noch die Mülltüten auswechselte, begann die Spülmaschine zu sabbern. Erst nur ein paar Schaumflöckchen, dann immer mehr, bis sich der Schaum lawinenartig aus allen Ritzen quellend über den Holzfußboden verteilte. Die zwei Badehandtücher gingen in der weißen Flüssigkeit hoffnungslos unter. Mit offenem Mund und starr vor Schreck schaute ich auf die sich immer weiter ausbreitende weiße Pracht. Als der erste Küchenstuhl an mir vorbei schwamm, kam ich wieder zu mir und mir wurde klar, dies hört so schnell nicht von allein auf. Panik breitete sich aus! Wenn der Schaum den Fahrstuhlschacht erreicht, dann werden die unteren Etagen geflutet und die Tiefgarage mit den Luxusautos säuft ab. Bilder von der Ahrtal Katastrophe drängten sich in meinem Kopf. Wie konnte ich das unausweichliche Unglück noch verhindern?

Sollte ich Google um Rat bitten oder doch lieber gleich die Feuerwehr anrufen? Mein Junge riss mich aus der Überlegung. „Wir müssen etwas unternehmen, die Wohnung ist in Gefahr! Hast Du schon auf Youtube geschaut, ob es da ein Tutorial gibt?“ „Wer ist schon so dumm und kippt eine halbe Flasche Spülmittel in einen Geschirrspüler“, entgegnete ich niedergeschlagen.

„Es gibt sicher schon andere Bekloppte, die diese glorreiche Idee hatten!“

Und tatsächlich! Ich war nicht der Erste. Es gab sogar eine 7-Schritte-Anleitung, wie behebe ich die Schäden bei Spülmittelunfällen mit einem Geschirrspüler.

Foto: Geschirrspüler (privat)

Dieses wichtige Video kann ich nur jedem ans Herz legen.

Mir hat es zu der Erkenntnis verholfen: Suche, bevor es zu spät ist und man kann nicht so blöd denken, wie es noch kommt.

Mit einem schlechten Gewissen und mit Verspätung haben wir die Wohnung dann verlassen. Alle, wirklich alle Handtücher lagen tropfend nass in der Badewanne. Aber die Spülmaschine und der Holzboden waren mit Sicherheit noch nie so sauber!

Oktober 2022

Titelfoto: Häuserzeile in Antwerpen (privat)

© 2022 Ingo M. Ebert
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